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Deutschlands Kinder werden krank PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Karl-Heinz Wittenbrink   
Sonntag, den 04. Oktober 2009 um 11:35 Uhr

dicke_400Kinder bewegen sich heute viel zu wenig bei Sport und Spiel. Wissenschaftler prophezeien ihnen, dass sie viel früher als ihre Eltern gesundheitliche Probleme bekommen werden.

Karlsruhe (dpa) Eltern joggen, Kinder hocken. Nur eine Stunde täglich bewegen sich Grundschüler in Deutschland. Der Karlsruher Sportwissenschaftler Klaus Bös warnt daher vor einer „gesellschaftlichen Zeitbombe“: „Kinder, die zu wenig Bewegung haben und sich nicht ausreichend spielerisch und sportlich betätigen, werden gesundheitliche Probleme bekommen. Deutschland wird krank.“

Untersuchungen bei zwölfjährigen Kindern zeigen, dass 40 Prozent von ihnen Kreislaufprobleme haben, jedes dritte Kind Haltungsfehler, jedes zweite Muskelschwächen und jedes fünfte  Übergewicht. Kein Wunder, dass immer mehr Grundschüler über Kopf- und Rückenschmerzen klagen. Professor Aloys Berg von der Uniklinik Freiburg berichtet, dass Schüler mehr krankheitsfördernde Merkmale aufweisen als noch vor zehn Jahren: „Wir stellen vermehrt Entzündungsfaktoren fest.“

Bewegungsmangel, Fast Food und Soft Drinks haben zur Folge, dass sich seit 1980 die Zahl der Schüler mit mindestens 30 Prozent Übergewicht um die Hälfte erhöht hat. „Heute diagnostizieren wir Risikofaktoren, wie sie sich früher erst mit 55 zeigten, schon bei 40-Jährigen.“

Kinder werden immer ungelenker. Sie verlieren die Beherrschung ihres Körpers und die Fähigkeit, ihre Bewegungen zu koordinieren. „Vielen Kindern fehlen die natürlichen Lebensräume, um ihren Bewegungsdrang ausleben und auch ihre Aggressionen abbauen zu können“, konstatiert Bös. Motorische Kompetenz aber brauche jeder Mensch für seine Entwicklung und sein  Wohlbefinden, auch wenn er gar keinen Sport treiben möchte. Denn bereits 33 Prozent der Berufsschüler und zwölf Prozent der Gymnasiasten klagten bei einer Befragung in Karlsruhe über ständige Rückenbeschwerden im AllElter-haften_dicke-Kinder_webtag.

Die Schule als einzige Institution, die alle Kinder erfasst, kann keine Hilfestellung leisten: Längst ist der Sportunterricht zum Sitzenbleiber der Nation geworden. Schulsport wird gekürzt  –  auch in Baden-Württemberg ist die dritte Stunde weggefallen  – und oft nicht vertreten. Ärzte sind bei Attesten zur Befreiung vom Sportunterricht freigebiger als für Hauptfächer. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Sportlehrer inzwischen um die 50 Jahre alt ist.

Untersuchungen an Gymnasien haben ergeben, dass nur vier Prozent der Mädchen und 32 Prozent der Jungen im Schulsport schwitzen oder schnaufen. „Der Anreiz zu mehr Bewegung muss schon im Kindergarten gesetzt werden“, fordert Bös.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 04. Oktober 2009 um 17:13 Uhr
 
 
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