Zur Situation im Jugendhandball

NW und WB bringen heute einen umfangreichen Bericht mit Renate Plötner.

Hier der Text der Beitrag im pdf.

Von Uwe Kramme Kreis Gütersloh.

Ende Januar haben der Handballverband Westfalen und seine Kreisverbände beschlossen, dass die seit Oktober wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit 2020/2021 nicht fortgesetzt wird. Wann und wie es im Handball weitergeht, weiß auch Renate Plötner nicht. Aber eines steht für die Vorsitzende des Jugendausschusses im Kreisverband Gütersloh fest: „Die neue Saison wird anders sein, als unsere Vereine das gewohnt sind. Und sie wird auch schon anders beginnen als in normalen Zeiten.“

Normalerweise wird eine neue Saison direkt nach den Osterferien mit den Aufstiegsrunden im Jugendbereich angepfiffen. „Das wird es in diesem Jahr aber mit Sicherheit nicht geben“, kündigt Plötner an. Weil bislang nicht einmal abzusehen sei, dass die Handballer im April schon wieder voll umfänglich in der Halle spielen und trainieren dürfen, habe sie sich schon gewundert, dass sie bei Vereinsvertretern auf diese Vorstellung gestoßen sei. Der DHB hätte seine Aufstiegsrunden zu den Jugend- Bundesligen schon für die Zeit nach den Sommerferien angesetzt, der westfälische Verband werde demnächst nachziehen. „Was bedeutet das für die Kreise?“, fragt die Rietbergerin. In der Serie 2020/ 2021 waren hierzulande 211 Nachwuchs- und 34 Miniteams gemeldet. „Dürfen wir wieder automatisch zwei Mannschaften pro Altersklasse nach Westfalen hochmelden, wenn bei uns erneut keine Aufstiegsrunden möglich sind? Nach welchen Kriterien sollen wir das tun, nachdem eine ganze Saison ausgefallen ist?“

»Ausbildungszeit ist futsch« Renate Plötner verdeutlicht ihre Bedenken am Beispiel von D-Jugendlichen, die praktisch seit einem Jahr wegen der Corona- Pandemie kein Handball mehr gespielt und kaum trainiert haben. „Die rücken jetzt als jüngerer Jahrgang in die C-Jugend auf und sollen gleich um die Qualifikation zur Oberliga spielen?“ Bei den Älteren gibt es die gleiche Problematik, denn von den Nachwuchshandballern im Kreis Gütersloh haben lediglich die E-Jugendlichen (bis 10 Jahre) und die D-Jugendlichen (bis 12 Jahre) im letzten September drei Spieltage bestritten. Die älteren in den Altersklassen C (bis 14 Jahre), B (bis 16 Jahre) und A (bis 18 Jahre) sind, weil ihr Saisonstart erst zum 1. November vorgesehen war, mit wenigen Ausnahmen nicht mehr zum Zuge gekommen. „Diese Ausbildungszeit ist futsch und lässt sich kaum mehr aufzuholen“, bedauert Plötner.

Wie vor allem die jüngsten Handballer schnellstmöglich wieder zum Spielen kommen könnten, habe sie deshalb gut 40 Vereinstrainer aus dem Bereich der D-, E- und F-Jugend auf einer Online-Konferenz gefragt, berichtet die Jugend- Vorsitzende. „Sehr verhalten“ sei die Resonanz auf das Angebot des Kreises ausgefallen, eine Freundschaftsspielrunde zu organisieren. „Die Vereine scheuen aber nicht nur starre Terminvorgaben, weil sie wegen Corona weitere Einschränkungen und Auflagen befürchten“, berichtet Renate Plötner. „Einige wollten dann noch mit ihren alten Mannschaften antreten, andere aber bereits den Schnitt machen und die Spieler der nachrückenden Jahrgänge einsetzen. Mein Eindruck war, dass einige Vereine sich schwerer tun als andere, die Rückkehr in den Spielbetrieb zu organisieren.“ Dass die Vereinsvertreter nach dem Motto „Gegner für E-Jugend, alter Jahrgang, am Sonntag gesucht“ lieber selber einen Freundschaftsspielbetrieb organisieren würden, hält die Funktionärin indes für eine genauso „vernünftige Idee“ wie den Vorschlag, die Homepage des Kreisverbandes als „Börse“ zu nutzen.

Klar geworden sei ihr bei dieser Gesprächsrunde aber vor allem, dass die Jugendtrainer und -betreuer der 24 heimischen Vereine und Spielgemeinschaften unbedingt eine Perspektive brauchen, wann und wie Handball für sie wieder möglich ist. „Berichtet wurde jedenfalls , dass die Zahl der Aktionen, mit denen versucht wurde, die Mannschaften zusammen und die Kinder im Verein zu halten seit November stetig abgenommen hat, und auch die Verantwortlichen in dieser langen Zwangspause müde geworden sind“, verdeutlicht Renate Plötner. Sorgen, dass der Nachwuchs nicht in die Vereine zurückkehren könnte, mache sie sich wegen der guten Erfahrungen nach dem ersten, allerdings deutlich kürzeren Lockdown allerdings kaum. „Die Kinder und Jugendlichen sind das Homeschooling und das Zu-Hause-Bleiben leid. Sie wollen wieder zum Sport gehen und ihre Freunde treffen.“

Möglicherweise bewirke die Corona-Pandemie sogar einen positiven Effekt. „Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass viele Eltern jetzt viel mehr zu schätzen wissen, was in den Vereinen geleistet wird und wie wertvoll es ist, wenn ihre Kinder dort mehrmals in der Woche gut betreut werden.“ »Vielleicht andere Wege gehen« Allerdings ständen die Vereine jetzt, wo schon so viel über Szenarien für die Wiederaufnahme des Trainingsund Spielbetriebes gesprochen würde, auch noch vor grundlegenden Aufgaben. „Die vielen Trainer- und Betreuerstellen im Jugendbereich wollen schließlich erst einmal besetzt sein. Ob alle und gerade die vielen jungen Übungsleiter weitermachen, wenn sie zum Beispiel mit der Einhaltung der Corona-Hygieneregeln noch mehr Verantwortung tragen müssen, oder ob man sie damit auch noch belasten darf, sind jedenfalls Überlegungen, von denen ich auch oft gehört habe.“ Weil die Corona bedingten Einschränkungen den Handball noch lange begleiten würden, ist sich Renate Plötner zudem nicht sicher, ob die Übungsleiter der Vereine sofort wieder wie gewohnt in die Schulen dürfen, wenn die Lockdown- Maßnahmen gelockert werden. „Vielleicht müssen wir auch andere Wege gehen, um Kinder für unseren Sport zu begeistern?“

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