Bielefelder Michael Neuhaus im DHB Präsidium

»Mein absolutes Steckenpferd«
DHB-Präsidium installiert »Wunschkandidaten«: Michael Neuhaus soll als Bundeslehrwart neue Impulse geben
Bielefeld(WB/jm). In vorderster Front aktiv gestaltend mitwirken, den Handball in Deutschland neu zu entwickeln: Diese kreative Herausforderung obliegt seit Samstag Michael Neuhaus (56). Bei seiner turnusmäßigen Sitzung hat das DHB-Präsidium in Hamburg den Bielefelder zum neuen Bundeslehrwart bestellt. Der Pädagoge ist seit Juni 2013 Präsident des Handballverbandes Westfalen.

Neuhaus tritt die Nachfolge Jens Pfänders an, der sich künftig auf eigenen Wunsch voll auf seine hauptamtliche Aufgabe als DHB-Leistungssportreferent konzentriert. »Unser Lehrwesen soll schneller, moderner und professioneller werden. Michel Neuhaus ist unser absoluter Wunschkandidat. Er bringt nicht nur die inhaltliche Kompetenz, sondern auch alle nötigen organisatorischen und kommunikativen Qualitäten mit«, erklärt Bob Hanning, für den Leistungssport zuständiger DHB-Vizepräsident. »Wir möchten uns im Lehrwesen breiter aufstellen und dessen Bedeutung verstärkt gerecht werden. Deshalb werden wir uns neu orientieren, dürfen nicht mehr nur verwalten, sondern müssen auch gestalten.«

Eine strategische Reform, die für Michael Neuhaus wie gemalt scheint. Eine Leitorientierung vermitteln, moderne Impulse auf den Weg bringen, Aufbruchstimmung methodisch unterfüttern, Konzeptentwicklung, Qualitäts- und Wissensmanagement – und all diese Module auch noch zu den richtigen Adressaten zu transportieren: Das ist sein Ding. »Mein absolutes Steckenpferd«, nickt Neuhaus. Dies hat er hinlänglich als Kreislehrwart in Bielefeld bewiesen, hat Innovationen über die OWL-Grenzen hinausgetragen und längst auf westfälischer Ebene Duftmarken hinterlassen. Es gibt viel zu tun auf dem Weg, Jugend, Bildung und Schule als Schlüssel für die Zukunft zu einen. Bei seinem Amtsantritt hat der Chef des Handballverbandes Westfalen schon klargestellt, dass Hauptamtlichkeit für ein professionelles und nachhaltiges Lehrwesen unverzichtbar ist. Aktuell ist Neuhaus beim Regierungsbezirk Detmold in der Schulaufsicht tätig.

Dass Neuhaus weiterhin Vertreter eines Landesverbandes ist, fügt sich für Bob Hanning optimal ins Gesamtkonzept. »Ich bin überzeugt, dass wir in den Landesverbänden genug Kraft von innen heraus haben. Wir müssen dieses große Potenzial nur besser und gemeinsam für uns nutzen.« Michael Neuhaus vertritt ebenfalls diese Linie. »Wir brauchen im DHB nicht alles neu zu erfinden«, sagt der neue Bundeslehrwart. Seine Aufgabe sieht er vor allem »als Impulsgeber und Koordinator.« Dabei gehe es ihm nicht nur um den obersten Leistungsbereich. »Auch für B- und C-Trainer sowie den Kinder- und Schulhandball soll das Lehrwesen des DHB ein verlässlicher und wertvoller Taktgeber sein. Es geht vorrangig darum, auch die Kompetenzen und Ressourcen der Landesverbände aufzugreifen und optimal zu nutzen, damit Resonanz für unsere Sportart in Spitze wie Breite entsteht. Trainerinnen und Trainer in allen Alters- und Leistungsstufen sind auf diesem Weg unsere wertvollsten Multiplikatoren.«

Für den DHB ist die Lehrarbeit eines der zentralen Entwicklungsfelder. Dem deutschen Handball eine Zukunft geben: Getreu dieses Mottos der »Perspektive 2020« – für das Jahr hat das Präsidium bekanntlich für Deutschland olympisches Handball-Gold im Visier – strebt der 56-Jährige einen Schulterschluss zwischen dem Leistungssport und der Basis an. »Da müssen wir uns neu aufstellen. Die Kleinen können nicht ohne die Großen, und die Großen können nicht ohne die Kleinen.«

Michael Neuhaus' Credo: »Das Lehrwesen ist nicht irgendein Baustein. Es ist ein elementar wichtiger Baustein.« Einer, der lange Jahre unterschätzt worden sei. Was als großes Dilemma besonders dann zu Tage tritt, wenn der Wachstumsmotor stottert, »wenn das Flaggschiff nicht funktioniert. Eine sklavische Abhängigkeit vom Produkt Nationalmannschaft reicht nicht. Auch die Bundesliga reicht nicht.« Unter Neuhaus' Regie wird das »Geben und Nehmen« im Dachverband fraglos neu definiert. Das erhebliche Optimierungspotenzial in der Organisationsstruktur in Synergieeffekte für ein konstruktives Alltags-Miteinander zu veredeln, ist eine seiner Herkulesaufgaben. »Ich möchte mit Enthusiasmus vorweglaufen und hoffe, dass mir das gelingt. Der Handball wartet nur darauf, als schlafender Riese in all seiner Faszination aufgeweckt zu werden.« Der DHB mit seinen 830 000 Mitgliedern und 4500 Vereinen ist der größte Handballverband der Welt. Präsident Bernhard Bauer möchte Deutschland denn auch als Vorreiter im Welthandball wissen. Einer seiner einflussreichen Regisseure heißt jetzt Michael Neuhaus.