Der Hasenbau sticht Versmold aus
Zum ersten Mal seit zehn Jahren fand die Endrunde des Handball-Kreispokals nicht in der Sparkassen-Arena statt. So steht es um die Zukunft des prestigeträchtigen Turniers.
Von Gunnar Feicht, und Dennis Bleck
Als die letzten Zuschauer die Sporthalle verlassen hatten und nur noch der Reinigungswagen einsam seine Kreise zog, hatte Karlheinz Kalze endlich einmal Zeit zum Durchatmen. Die Strapazen der vergangenen Stunden standen dem Teammanager von Harsewinkels Regionalliga-Handballern zwar ins Gesicht geschrieben – doch der Stolz über das Erreichte schlug am Ende die Müdigkeit.
Zum ersten Mal richtete die TSG Harsewinkel am Sonntag die Endrunde des Kreispokals aus. Zuvor hatte die Veranstaltung zehn Jahre lang in der Sparkassen-Arena in Versmold stattgefunden. „Wir haben uns sehr über den Zuschlag gefreut und wollten es entsprechend gut machen“, sagte Kalze. In der Hand hielt er noch sein Mikrofon, mit dem er das Turnier als Sprecher begleitet hatte. „Ich würde nicht sagen, dass wir Bammel vor der Verantwortung hatten, aber Respekt“, meinte er.
Mehr als 20 freiwillige Helferinnen und Helfer hatte der Verein im Einsatz, bei denen sich Kalze zum Teil noch persönlich während des laufenden Wettbewerbs bedankte. Sie kümmerten sich um das Offensichtliche wie das Catering, waren zum Teil aber auch im Hintergrund im Einsatz. Und machten ihre Sache so gut, dass es von vielen Seiten Lob gab.
Spielort der Endrunde für 2027 steht schon fest
„Die Organisation hier ist top – wir haben uns rundum gut aufgehoben gefühlt“, sagte zum Beispiel Simon Dreier. Der Interimstrainer von Brockhagens Frauen, der den kranken Yannick Hansel am Seitenrand vertrat, fand, dass weder die Stimmung noch das Drumherum schlechter als in Versmold waren. Timo Ortmeyer, der die TG Hörste coacht, blickte nach dem Pokalcoup seiner Mädels auf die vollen Ränge im Harsewinkeler Hasenbau und war „glücklich, vor so einer Kulisse spielen zu dürfen“.
Auch Heinz-Hermann Jerrentrup, der als stellvertretender Kreisvorsitzender für den Spielbetrieb zuständig war, bescheinigte der TSG Harsewinkel „eine sehr gute Ausrichtung“ und legte sich sogleich für 2027 fest. „Was man hier auf die Beine gestellt hat, war absolut okay. Wir werden nächstes Jahr mit der Endrunde wieder hier sein“, sagte der Turnierleiter. Für die Zeit danach hätten aber grundsätzlich auch andere Standorte und Vereine wieder die Gelegenheit, sich zu bewerben, betonte der Borgholzhausener noch.
Bei aller Euphorie erwies sich ein Hauptargument für den Umzug des „Final Four“ von der Fleisch- in die Mähdrescherstadt trotzdem nicht als Trumpf: Die besseren Bedingungen zum Aufwärmen der Teams mit einer angrenzenden Mehrzweck- und einer kleinen Gymnastikhalle sollten die Einhaltung des Zeitplans garantieren. Dieses Ziel wurde verfehlt, denn das abschließende Männer-Finale als letzte der acht Endrunden-Begegnungen begann erst mit gut 50 Minuten Verspätung. „Alle beteiligten Mannschaften waren über die Möglichkeiten informiert. Manche haben sie genutzt, manche leider nicht so wie erhofft“, sagte Jerrentrup.
Auch Kalze war über die Verzögerungen im Ablauf unzufrieden, wie er später zugab. „Die Schiedsrichter haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht geht“, sagte er und kündigte an: „Wir werden das mit in unsere Nachbesprechung nehmen.“ Eine Idee, wie das Zeitmanagement künftig besser werden könnte, hatte er da schon im Kopf: „Wir müssten vielleicht einfach eine Stunde eher anfangen – und die Pausen zwischen den Partien im Spielplan ein bisschen großzügiger gestalten“, sagte er.
An der grundsätzlichen Struktur der inklusive Siegerehrung fast sechseinhalbstündigen Endrunde will der Handballkreis aber nichts ändern. Ein Verzicht auf die beiden Spiele um Platz drei beispielsweise komme nicht infrage. „Dass Mannschaften für nur einmal 30 Minuten Spielzeit anreisen, ist nicht sinnvoll. Außerdem haben etliche qualifizierte Teams sonst nicht die Gelegenheit, vor so vielen Menschen zu spielen“, erklärte Jerrentrup.
Damit gemeint haben dürfte der Funktionär neben Männer-Bezirksligist Union 92 Halle, der fast schon sensationell in die Phalanx der drei Regionalligisten TSG Harsewinkel, SF Loxten und TG Hörste vorgestoßen war, auch die Reserveteams. Zum ersten Mal war es zweiten Mannschaften erlaubt, für das Turnier zu melden. Davon Gebrauch machten unter anderem auch die Frauen des TV Verl II, die schließlich sogar das Finale erreichten. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Trainer Christian Bunkenburg mit dem Vorstoß des Kreisverbands. „Es hat sich gezeigt, dass es eine gute Entscheidung ist, den Kreispokal weiter zu öffnen.“ Auch Jerrentrup fand: „Das Konzept hat sich bewährt. Die Mannschaften bereichern den Wettbewerb und helfen bei immer weniger Meldungen dabei, die Felder zu füllen.“