Wunschlos glücklich
Handball: Regionalligist TSG Harsewinkel lässt nach dem überzeugenden 33:25-Heimerfolg über den TSV Hahlen die Abstiegsränge hinter sich.
Von Dirk Heidemann
Wäre die Saison in der Handball-Regionalliga Westfalen am Samstagabend zu Ende gegangen, dann hätte die TSG Harsewinkel den Klassenerhalt geschafft. Denn nach dem letztlich souveränen 33:25 (19:15)-Heimerfolg über Schlusslicht TSV Hahlen rangieren in der Tabelle nun fünf Teams hinter der TSG. Das würde, unabhängig von den Abstiegsentscheidungen in den 3. Ligen, sicher für den Regionalliga-Verbleib reichen.
Allerdings haben drei unter der TSG stehende Teams weniger Spiele absolviert als die Harsewinkeler, die Situation im Keller bleibt somit prekär. Andererseits scheint die Mannschaft unter Heiner Steinkühler endlich begriffen zu haben, welche Tugenden im Abstiegskampf gefragt sind. „Das Thema Abwehr haben wir bis zum Erbrechen thematisiert, heute hat man reichlich Fortschritte gesehen. Kampf, Einstellung und Herz waren da. Allen war klar, dass das Spiel kein Selbstläufer wird und wir nach dem Sieg über Salzuflen nicht auf Wolke sieben schweben“, sagte Steinkühler, der in kurzer Hose und Spielertrikot an der Seitenlinie stand, um im Notfall der Mannschaft auch auf dem Parkett helfen zu können.
Denn die Ausfallliste war mit Robert Indeche (anhaltende Wadenprobleme) sowie den (wieder) Erkrankten Julian Borren und Alexander Engelhardt prominent bestückt. Zudem ging „Capitano“ Sven Bröskamp angeschlagen in die so wichtige Heimpartie. Eine tragende Rolle kam zudem Kreisläufer Jannis Wunsch zu. „Es war klar, dass ,Engel‘ nicht spielen würde. Also hatte Jannis Druck, denn er musste über 60 Minuten abliefern. Und das hat er überragend gemacht“, sprach Heiner Steinkühler dem hinten im Innenblock unermüdlich rackernden und im Angriff fünf Mal erfolgreichen Wunsch zu Recht ein Sonderlob aus. Das verdiente sich auch Torhüter Robin Wetzel, der starke Rückhalt kam am Ende auf 16 Paraden.
Die TSG begann hochkonzentriert, leistete sich nach dem 6:3 (5.) aber eine kleine Leistungsdelle. Die wurde nach dem 6:6 (11.) ausgebeult, über 11:7 (17.) zogen die Harsewinkeler auf 17:10 (26.) davon. Die Schlussphase der ersten Hälfte gefiel Heiner Steinkühler allerdings gar nicht. „Da war der Killerinstinkt nicht da“, monierte der Coach. So kamen die im ersten Abschnitt noch ordentlich mitspielenden Gäste bis zur Halbzeit wieder auf vier Tore heran.
Nach nur viereinhalb Minuten Pause standen die Harsewinkeler bereits wieder auf der Platte. „Ich habe die Spieler miteinander kommunizieren lassen und sie haben sehr schnell erkannt, wo die Probleme liegen. Was soll ich die Jungs dann noch mit meinem Gelaber überfluten?“, sah Heiner Steinkühler zunächst keine Veranlassung, selbst groß einzugreifen.
Das änderte sich sieben Minuten nach Beginn des zweiten Durchgangs. Nur den Paraden von Robin Wetzel war es in dieser Phase zu verdanken, dass Hahlen lediglich auf 21:18 herankam. Folglich nahm Steinkühler früh eine Auszeit, um die Sinne noch einmal zu schärfen. Und siehe da: Die Worte fruchteten. Spätestens mit dem 31:20 (51.) durch den gut aufgelegten und unter anderem mit einem spektakulären Dreher aus eigentlich unmöglichem Winkel erfolgreichen Rechtsaußen Mika Kösters war die Partie entschieden.
„Mega, mega wichtig“, sagte Teammanager Karlheinz Kalze, der bedauerte, dass Heiner Steinkühler die TSG Harsewinkel am Saisonende nach dann sechs Jahren verlassen und seine Karriere als Spieler beim Bezirksligisten Spvg. Versmold beenden wird (wir berichteten). „Heiner wollte zeitlich flexibler sein. Wir haben über mehrere Wochen nach allen möglichen Konstellationen gesucht, in welcher Form er mit weniger Intensität bei uns tätig sein kann. Leider haben wir keinen Weg gefunden“, sagte Kalze.