Guter Bericht über das Schiri-Wesen im Kreis

aus dem Haller Kreis-Blatt vom 09.09.2011

Mittelalter gesucht
09.09.11
VON HEIKO KAISER Altkreis Halle. Während die Handballteams in allen Klassen dem Saisonstart entgegenfiebern, während in Testspielen und Trainingseinheiten der Taktik und körperlichen Fitness ein letzter Feinschliff verabreicht wird, haben Kreisschiedsrichterwart Dieter Schleese und sein Team einen Großteil der Arbeit bereits erledigt. Alle bis Ende Januar angesetzten Spiele sind mit Unparteiischen besetzt, die Pläne im Handballergebnisdienst SIS veröffentlicht. Und doch weiß Schleese, dass mit dem Serienstart am 17./18. September noch viel auf ihn zukommt.

Denn bei etwa 140 Spielen, die pro Wochenende vom Kreis mit Unparteiischen besetzt werden, kommt es immer mal vor, dass kurzfristig ein Schiri ausfällt. Dann heißt es für Schleese, seinen Stellvertreter Klaus Orlowski oder Schiedsrichteransetzerin Kerstin Zipsner schnell zu handeln. „Nicht selten muss ich am Samstagnachmittag noch telefonieren, um für den Abend Ersatz für einen erkrankten Schiri zu bekommen”, erzählt Schleese. Wie oft er selbst einspringt, will er lieber nicht verraten. Ganze vier Spiele konnte Schleese in der vergangenen Serie nicht besetzen - bei mehr als 3000 Begegnungen im Jahr liegt dieser Wert im niedrigen einstelligen Promille-Bereich.

Auch wenn kaum ein Verein im Kreis das geforderte Kontingent erfülle, sei man insgesamt mit der Anzahl von gut 250 Schiedsrichtern ganz gut bestückt, sagt Schleese. Großen Anteil daran hat Schiedsrichterlehrwart Ralf Ludewig. Seit der Versmolder 2006 das Amt übernahm, hat er nach eigener Schätzung etwa 150 bis 200 neue Schiedsrichter ausgebildet. Viel Wert legt der 48-jährige Versmolder auf eine intensive und praxisnahe Schulung. Neun bis zehn Abende à vier Stunden absolviert ein Anwärter, ehe es in die Prüfung geht.

„Videoschulungen und mindestens vier Einheiten in der Sporthalle gehören dazu”, erklärt Ludewig, der so erreichte, dass die Zahl derjenigen, die nach kurzer Zeit die Pfeife an den Nagel hängen, konsequent sank. „Während andere Kreise sieben Schiedsrichter ausbilden, um einen auf Dauer zu behalten, ist bei uns das Verhältnis etwa 7:3”, so Ludewig, selbst seit 31 Jahren als Schiedsrichter aktiv.

„Die Schiedsrichter machen weniger Fehler als die Spieler”

Strafmaßnahmen wie im Kreis Lippe, wo unter anderem Bezirksligist TG Lage und Landesligist TV Großenmarpe wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls keine Vorbereitungsspiele absolvieren dürfen, sind daher im Kreis Gütersloh nicht notwendig. Im Gegenteil: Erstmals wird in der kommenden Saison die D-Jugend-Kreisliga mit Schiedsrichtern des Kreises besetzt.

Kein Grund aber für Schleese und sein Team, sich zufrieden zurückzulehnen. „Wir brauchen weiterhin neue Schiedsrichter. Dabei fehlt uns vor allem das berühmte Mittelalter. Also diejenigen, die aufgehört haben, aktiv zu spielen, sich im Handball auskennen und Lebenserfahrung mitbringen. Das wären die geborenen Schiedsrichter. Die lassen sich so schnell nichts vormachen”, sagt der Kreisschiedsrichterwart.

Seit 2005 übt Dieter Schleese dieses Amt aus, war zuvor Stellvertreter des verstorbenen Bernhard Bücker. Auch nach all den Jahren kann er heute sagen: „Ich freue mich auf die neue Saison.” Wenn er sich etwas wünschen dürfe, dann mehr Verständnis und Akzeptanz für die Schiedsrichter, sagt der 52-Jährige und fügt hinzu: „Keiner ist unfehlbar, doch ich glaube, dass die Schiedsrichter insgesamt weniger Fehler machen als die Spieler.” Diese Erkenntnis verbindet er mit einem Aufruf: „Ich appelliere an die Trainer im Jugendbereich, junge Schiedsrichter zu motivieren, statt ihnen durch permanente Kritik die Freude am Schiedsrichterwesen zu nehmen.”