Haftmittel - auch in anderen Städten ein Thema

Weiter mit Harz bei der Sache
HANDBALL-UMSCHAU: Stadt Bielefeld hält vorerst an Haftmittel-Regelung fest
VON GREGOR WINKLER

Haftmittel verschmutzt die Sporthallen – und kann nach Auffassung des kommunalen Versicherers KSA zu Unfällen führen, für die man nicht mehr aufkommen will. Die Städte müssen reagieren, in Bielefeld bleibt aber fast alles beim Alten.
Klebrige Angelegenheit | FOTO: VORNBÄUMEN

Bielefeld. Manche Themen kleben an einer Sportart wie Teer oder Pech - oder Baumharz. Zäh wie oben beschriebene Substanzen ziehen sich die Geschichten über Jahre hin, tauchen mal mehr, mal weniger brisant auf oder schwelen einfach ewig vor sich hin. So auch die immer wiederkehrende Leier der Haftmittelbenutzung im Handball.

Es war zur Ferienzeit, als eine Nachricht aus Münster aufschrecken ließ: Die dortige Verwaltung drückt seit Juli das "absolute Harzverbot" vehement durch - sehr zum Ärger aller Vereine. Auslöser der rigorosen Marschroute des Sportamtes war ein Schreiben der Stelle für den kommunalen Schadensausgleich westdeutscher Städte (KSA), eine Art Rückversicherung der Kommunen. Die KSA erklärte, nicht mehr für Schäden aufzukommen, die in städtischen Sporthallen aufgrund von Verschmutzung durch Haftmittel zustande gekommen sind. Heißt: Die Stadt selbst bliebe auf möglichen Regressforderungen Geschädigter hängen.

Das gilt nicht nur für Münster, sondern auch für alle anderen Städte, also auch Bielefeld. Hier gibt es seit einiger Zeit ein besonderes Modell. Vereine können bei der Stadt die Benutzung von wasserlöslichem Haftmittel, dem so genannten Blue Gear, beantragen. Derzeit ist das sechs Klubs in sieben Hallen gestattet. Bedingung dieser Vereinbarung ist, dass die Halle nach der Nutzung gereinigt wird.

Sechs Teams dürfen harzen
Im Bielefelder Modell ist sechs Vereinen die Benutzung von wasserlöslichen Haftmitteln gestattet. Die Hallen müssen von den Klubs gereinigt werden. Folgende Vereine nutzen das "Blue Gear": TSG A-H Bielefeld in Heepen, TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in der Realschulhalle, EGB Bielefeld in Gadderbaum und Brackwede, HT SF Senne in der Realschulhalle, TuS Brake in der Sporthalle am Bohnenkamp und die TG Schildesche in der Gesamtschulhalle.

An dieser Regelung, so die gute Nachricht, wird die Stadt auch weiterhin festhalten. "Wir haben uns allerdings noch einmal per Unterschrift versichern lassen, dass im Falle einer Verletzung aufgrund von Haftmittelverschmutzung einzig die Vereine haften", erklärt Annika Meier vom Sportamt Bielefeld. In allen übrigen städtischen Hallen ist das "Harzen", egal mit welcher Substanz, weiterhin streng verboten. Dazu erhielten alle Vereine erneut einen ausführlichen Brief unter anderem mit der klaren Ansage: "Sollte die Stadt feststellen, dass trotz des Verbots Haftmittel benutzt wurde, wird die Sporthalle sofort gesperrt."

Dicht gemacht werden könnte auch eine "Blue-Gear-Halle", nämlich dann, wenn nicht ordentlich geputzt wurde. Im vergangenen Herbst erwischte es den TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck für ein paar Tage. Kritik kommt von den Vereinen in Richtung Sportlehrer. "Einige kriechen montags in der ersten Stunde in die hinterste Ecke, und wenn sie einen kleinen Rest finden, melden sie es gleich der Stadt", so die Aussage mehrerer Trainer. Wer im Recht ist, ist schwer zu ermitteln. Annika Meier weist aber darauf hin, "dass auch Umkleiden und Regieräume von Blue Gear zu reinigen sind. Letztlich reagieren wir auf die Angaben der Hausmeister oder kontrollieren selbst".

Einige Bielefelder Mannschaften, wie der TuS 97 II und EGB, spielen in dieser Saison übrigens auch in Münster. Den "Pecke-Topf", welcher Marke auch immer, können sie an diesen Spieltagen zu Hause lassen.